Ein ehemaliger Schatzmeister der Gemeinde La Oliva auf Fuerteventura soll laut Anklage über 303.000 Euro veruntreut haben. Die Staatsanwaltschaft forderte dafür acht Jahre Haft und ein 20-jähriges Amtsverbot.
Worum es geht (TL;DR)
- Geschworenengericht spricht Ex-Schatzmeister von La Oliva vom Vorwurf der Unterschlagung von 303.000 Euro frei.
- Jury sieht keine Beweise für persönliche Bereicherung, sondern chaotische Buchführung als Ursache der Unstimmigkeiten.
- Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre Haft und 20-jähriges Amtsverbot gefordert, Freispruch folgt in Kürze.
Am 6. November 2025 verlas die Audiencia Provincial von Las Palmas das Urteil im Prozess gegen José Hilarión Cabrera.
Geschworenengericht spricht Cabrera frei
Das Geschworenengericht sprach Cabrera von allen Vorwürfen der Unterschlagung öffentlicher Gelder frei. Die Jury sah keine Beweise dafür, dass sich Cabrera zwischen 2016 und 2017 insgesamt 303.410 Euro aus den Kassen der Gemeinde La Oliva angeeignet hatte.
In der Urteilsbegründung heißt es, es gebe keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass Cabrera "getrieben von Gewinnstreben und unter Ausnutzung seines Amtes" Geld unterschlagen habe. Stattdessen stellten die Geschworenen fest, dass die wirtschaftlichen Unregelmäßigkeiten im Rathaus von La Oliva auf eine "erratische Buchführung" zurückzuführen seien.
Rechnungshof kritisierte chaotische Buchführung
Diese chaotische Rechnungsführung war zuvor bereits vom spanischen Rechnungshof bemängelt worden, worauf Staatsanwaltschaft und Gemeinde die Anklage gestützt hatten.
Die Staatsanwaltschaft und die Gemeinde hatten argumentiert, dass das Urteil des Rechnungshofs, in dem Cabrera wegen "Vorsatz oder Fahrlässigkeit" für das finanzielle Defizit verantwortlich gemacht wurde, den eindeutigen Beweis für eine persönliche Bereicherung darstelle.
Verteidiger lobt Geschworenengericht
Das Geschworenengericht kam jedoch zu einem anderen Schluss. In seiner Entscheidung heißt es, es sei nicht nachgewiesen worden, dass Cabrera sein persönliches Vermögen mit Gemeindegeldern vergrößert habe. Vielmehr habe sich eine "chaotische und fehlerhafte Buchhaltung" gezeigt, die als Hauptursache für die Unstimmigkeiten anzusehen sei.
Der Verteidiger des ehemaligen Gemeindekassenwarts, der Anwalt Jorge Cuadra, betonte nach der Urteilsverkündung, dass "die Buchführung unregelmäßig und voller gravierender Fehler gewesen sei" und die vorgelegten Unterlagen "nicht ausreichten, um eine Veruntreuung zu belegen". Er lobte das Geschworenengericht für seinen "guten Urteilssinn" und seine "Tapferkeit".
Cuadra erklärte weiter: "Wir sind sehr zufrieden. Don José Hilarión ist ein sehr guter Mensch. Er hat sich nie Geld genommen." In den kommenden Tagen wird die Audiencia Provincial von Las Palmas entsprechend dem Juryurteil den Freispruch formulieren. Damit endet ein jahrelanger Rechtsstreit, der in La Oliva und auf ganz Fuerteventura große Aufmerksamkeit erregt hatte.











