Die Kanarischen Inseln spielten während des Zweiten Weltkriegs eine bedeutende Rolle. Ihre strategische Lage machte sie zum Schauplatz geheimer Operationen, Spionage und Sabotage.
Worum es geht (TL;DR)
- Die Kanarischen Inseln waren im Zweiten Weltkrieg Schauplatz geheimer Operationen und Spionage.
- Professor Díaz Benítez beleuchtet am 28. Oktober die strategische Rolle der Inseln.
- Britische und deutsche Geheimdienste nutzten die Häfen als logistische Stützpunkte.
Professor Juan José Díaz Benítez von der Universität Las Palmas de Gran Canaria beleuchtet diese Themen im Seminar "Kanarische Inseln und der Zweite Weltkrieg: Geheimnisse, Operationen und Strategie im Atlantik" am 28. Oktober um 19.00 Uhr im Casa-Museo León y Castillo in Telde.
Im Rahmen der Reihe "Spione im Atlantik" zeigt das Seminar die zentrale Rolle der Inseln als strategisches Bindeglied zwischen den Achsenmächten und den Alliierten von 1939 bis 1945.
Strategisches Bindeglied zwischen den Kriegsparteien
Die Veranstaltung, organisiert vom Casa-Museo León y Castillo, lädt dazu ein, eine der weniger bekannten Episoden der jüngeren Geschichte des Archipels zu entdecken. Sie kombiniert historischen Kontext, Dokumentationen und Biografien realer Agenten. Die Präsentation zeigt, wie die Inseln zu einem entscheidenden Knotenpunkt für die Alliierten – darunter das Vereinigte Königreich, die USA, die Sowjetunion, China und Frankreich – sowie die Achsenmächte Deutschland, Italien und Japan wurden.
Trotz offizieller Neutralität entwickelten sich die Kanarischen Inseln zu einem Zentrum für geheime Operationen und Spionage. Ihre geografische Lage im Atlantik und die Hafeninfrastruktur zogen Diplomaten, Militärs, Schmuggler und Spione an, die sich in einer von Spannung und Geheimhaltung geprägten Landschaft bewegten.
Geheimdienstaktivitäten im Atlantik
Professor Díaz Benítez gibt einen Überblick über diese Zeit und erklärt, wie sich die Inseln von einem Randgebiet zu einem zentralen Element in der internationalen Strategie des Konflikts entwickelten. Der Eintritt zum Seminar ist frei, jedoch begrenzt auf die Kapazität des Veranstaltungsortes.
Die strategische Bedeutung der Kanarischen Inseln war beträchtlich. Für Großbritannien dienten sie als Alternative zu Gibraltar, falls Spanien in den Krieg eingetreten wäre. Zwischen 1940 und 1943 wurden Pläne für eine Besetzung erwogen, um eine spanische Kriegsteilnahme zu vermeiden.
Geheimdienste und Überwachung
Britische und amerikanische Geheimdienste sammelten Informationen, um eine mögliche Besetzung vorzubereiten und die Aktivitäten der Achsenmächte zu überwachen. Die Deutschen unterstützten ihre Marineoperationen, manchmal in Zusammenarbeit mit den spanischen Behörden. Die spanischen Dienste interessierten sich mehr für die Präsenz britischer und amerikanischer Agenten als für die Deutschen.
Die Anwesenheit ausländischer Agenten und geheimer Operationen beeinflusste das tägliche Leben der Kanarier. Anfangs diskret, kursierten bald Gerüchte wie die angebliche Betankung deutscher U-Boote auf Fuerteventura. Tatsächlich wurden nur sechs U-Boote zwischen März und Juli 1941 im Hafen von La Luz betankt.
Häfen als logistische Stützpunkte
Die Häfen von Las Palmas und Santa Cruz wurden zu Rückzugsorten und logistischen Unterstützungspunkten für die deutsche Marine. Der deutsche Etappendienst bereitete fünf Versorgungsschiffe vor, um Hilfskreuzer zu unterstützen und U-Boote zu betanken, von denen sechs den Hafen von Las Palmas anliefen.
Operationen wie Pilgrim und Warden offenbarten die Pläne der Alliierten für die Kanarischen Inseln. Pilgrim war eine britische Operation, um den Hafen von La Luz als Alternative zu Gibraltar zu erobern. Diese Planung begann Mitte 1940 und wurde erst im Herbst 1943 endgültig abgesagt.
Die Erforschung der strategischen Bedeutung der Kanarischen Inseln während des Zweiten Weltkriegs profitiert von umfangreicher Dokumentation, die in Archiven in Großbritannien, Deutschland und den USA zugänglich ist. In Spanien bleibt der Zugang aufgrund fehlender automatischer Deklassifizierungsregeln eingeschränkt.
Professor Díaz Benítez hofft, dass sein Vortrag im Rahmen der Reihe "Spione im Atlantik" ein umfassendes Verständnis für den strategischen Wert der Kanarischen Inseln vermittelt und Interesse an einem fundamentalen Thema der Geschichte des 20. Jahrhunderts weckt.











