Die Regierung der Kanarischen Inseln hat ein Programm gestartet, um kulturelles Erbe zu lokalisieren, zu dokumentieren, zu erforschen und zurückzugewinnen, das im 19. und 20. Jahrhundert den Archipel verließ. Das Vorhaben hat große kulturelle und historische Bedeutung für die Region.
Worum es geht (TL;DR)
- Die Kanaren starten ein Programm zur Rückgewinnung von Kulturerbe aus dem 19. und 20. Jahrhundert.
- Das Weltmuseum Wien beherbergt eine Guanchen-Mumie und über 200 kanarische Artefakte.
- Kooperationsgespräche zwischen Wien und kanarischen Museen sind für nächstes Jahr geplant.
Zusammenarbeit mit Gemeinden und Museen
Das Programm trägt den Namen "Dispersed Canarian Legacy" und wird gemeinsam mit lokalen Gemeinden, öffentlichen Universitäten und kanarischen Museen entwickelt. Die erste Phase begann in Wien mit Arbeitstreffen an der Universität Wien, dem Naturhistorischen Museum und dem Weltmuseum Wien. Ziel ist es, Gegenstände, Sammlungen und Materialien zu dokumentieren, die mit den Kanarischen Inseln verbunden sind und in diesen europäischen Institutionen aufbewahrt werden. Zudem sollen Protokolle für wissenschaftliche Zusammenarbeit und den Austausch gemeinsamen kulturellen Erbes etabliert werden.
Guanchen-Mumie und Artefakte in Wien
Das Weltmuseum Wien beherbergt eine Guanchen-Mumie und über 200 Artefakte, darunter Keramiken, Idole, Halskettenperlen und Siegelstempel, die den alten Bewohnern von Gran Canaria gehörten. Das Naturhistorische Museum hat seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit bestätigt. Die Institution gab zuvor Materialien an Länder wie Neuseeland und Südafrika zurück und ist derzeit in einen Prozess der Museumsdekolonisation eingebunden.
Rückgabe der Mumie und weiterer Sammlungen
Das Weltmuseum Wien zeigt sich offen für Diskussionen über die Rückgabe der Mumie und anderer kanarischer Sammlungen. Für die Universität Wien könnten Vereinbarungen durch akademische Abkommen mit der Universität La Laguna (ULL) und der Universität Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC) getroffen werden. Miguel Ángel Clavijo, Generaldirektor für Kultur und Kulturerbe, betonte, dass dies einen Weg für wissenschaftliche und institutionelle Zusammenarbeit eröffnet und einen Präzedenzfall für zukünftige kulturelle Beziehungen zwischen den Kanarischen Inseln und Österreich schafft.
Mumie aus einer Höhle in Guía
Die Aufzeichnungen des Weltmuseums Wien aus dem Jahr 1889 beschreiben eine "Mumie eines Mannes in Rückenlage, mit über dem Körper gekreuzten Armen und nach rechts gedrehtem Kopf, 168 Zentimeter lang, aus einer Höhle an der Küste von Guía im Südwesten Teneriffas." Die Mumie wurde von Dr. Manuel Macías, einem gebürtigen San Sebastián de La Gomera, erworben. Die Sammlung von über 200 kanarischen Stücken wurde zwischen dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert von Forschern und Sammlern wie Carl von Schwerzenbach, Óscar Simony, Josef Neustadtl und Dominik Josef Wölfel zusammengestellt, die Schlüsselfiguren in der wissenschaftlichen Erforschung der Kanarischen Inseln waren.
Langfristiges Projekt zur Rekonstruktion der Geschichte
Für das nächste Jahr sind Kooperationsgespräche zwischen dem Weltmuseum Wien und dem MUNA (Museum für Natur und Archäologie) geplant, die den Wissensaustausch und interkulturellen Dialog zwischen beiden Institutionen erleichtern sollen. "Das Legacy-Programm geht über die Rückgewinnung dieser Mumie oder archäologischer Stücke hinaus", erklärte Clavijo. "Es ist ein langfristiges Projekt, das darauf abzielt, die Geschichte des kanarischen Kulturerbes weltweit zu rekonstruieren und die internationalen Erbeverbindungen der Inseln zu stärken."











