Die Industrie- und Handelskammer von Santa Cruz de Tenerife hat vor einem Rückgang des Geschäftsklimaindex auf den Kanarischen Inseln gewarnt und fordert eine schnellere Umsetzung öffentlicher Investitionen. Am Mittwoch erklärte der Präsident der Kammer, Santiago Sesé, dass der Geschäftsklimaindex (ICE) im dritten Quartal 2025 um 2,1 Prozent gesunken ist. Die Kammer sieht die Gründe für die Entwicklung in einer niedrigen Haushaltsausführung, der Verlängerung des Staatshaushalts und dem Stillstand beim Energiegesetz. Diese Faktoren bremsten das Wirtschaftswachstum auf dem Archipel.
Sesé betonte bei der Vorstellung des Berichts, dass die Wirtschaft der Kanaren weiterhin wächst. Für dieses Jahr rechnet die Kammer mit einem Anstieg von drei Prozent. Dennoch bleibe das Wachstum hinter dem eigentlichen Potenzial zurück. „Wir sprechen nicht nur von Zahlen, sondern von jungen Menschen, die weggehen, von Projekten, die nicht starten, und von verlorenen Chancen“, sagte Sesé. Er forderte eine klare Strategie, die öffentliche Investitionen mit privaten Initiativen verknüpft und die Diversifizierung in Bereichen wie Innovation, Digitalisierung, blaue Wirtschaft und erneuerbare Energien beschleunigt.
Geschäftsklimaindex auf Teneriffa sinkt
Die Kammer äußerte zudem Sorge über den Stillstand des sogenannten „Anti-Blackout“-Dekrets, das insbesondere auf Teneriffa und La Palma Auswirkungen zeigt. In diesen Regionen gilt das Stromnetz als besonders anfällig. Laut Sesé verhindere die gesetzgeberische Blockade Fortschritte beim Ausbau erneuerbarer Energien, niedrigere Energiekosten und das Vermeiden weiterer Stromausfälle.
Zusätzlich warnte die Kammer vor möglichen Folgen der angekündigten Abschaffung von Rabatten auf Flughafenentgelte durch AENA. „Das würde die Ticketpreise erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit des Reiseziels direkt beeinträchtigen“, erklärte Sesé. Er forderte, dass die Kanarischen Inseln im Verwaltungsrat von AENA vertreten sein sollten, um ihre Interessen zu wahren.
Positive Erwartungen der Unternehmen für den Sommer
Trotz des Rückgangs beim ICE sind die Erwartungen der Unternehmen für den Sommer überwiegend positiv. Mehr als 28 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer höheren Geschäftstätigkeit, 13 Prozent planen Neueinstellungen. Lediglich knapp 15 Prozent erwarten einen Rückgang ihres Geschäfts. Im Bereich Beschäftigung gehen 79 Prozent der Betriebe davon aus, ihre Belegschaft zu halten. Der Saldo der Beschäftigungsprognose steigt damit auf fünf Punkte.
Nach Branchen betrachtet entwickelte sich nur die Gruppe „Sonstige Dienstleistungen“ in diesem Quartal positiv. Handel, Bau und Industrie bleiben optimistisch, während Transport und Gastgewerbe einen leichten Rückgang bei den Erwartungen im Vergleich zum Vorquartal verzeichnen.
El Hierro vorne, La Palma mit größtem Rückgang
Unter den Inseln verzeichnete El Hierro mit einem Plus von sechs Prozent das stärkste Wachstum beim ICE. Die Entwicklung wird durch die Sommerkampagne und das Fest Bajada de la Virgen de los Reyes begünstigt. Auch Teneriffa legte leicht um 0,9 Prozent zu. La Palma wies mit minus 6,7 Prozent den größten Rückgang auf, gefolgt von La Gomera mit minus 4,4 Prozent.
Die Erwartungen sind auf allen Inseln positiv. El Hierro hebt sich mit einem Saldo von 36,6 Punkten hervor, Lanzarote folgt mit 28,2 Punkten. Die niedrigsten Prognosen kommen aus La Palma und La Gomera. Dennoch zeigen alle Inseln einen gewissen Optimismus für das kommende Quartal.
Stabile Preise und robuste Unternehmen auf den Kanaren
Die meisten Unternehmen auf dem Archipel rechnen mit stabilen Preisen. 77,7 Prozent erwarten keine Veränderungen, 17,8 Prozent gehen von Preissteigerungen aus, während 4,5 Prozent mit sinkenden Preisen rechnen. Für Santiago Sesé belegen diese Zahlen die Widerstandsfähigkeit der kanarischen Wirtschaft in einem schwierigen Umfeld.

