Zwölf Stadträte haben am Montag im Rathaus von Güímar eine Misstrauensabstimmung gegen Bürgermeister Gustavo Pérez eingereicht und schlagen Carmen Luisa Castro als neue Bürgermeisterin vor. Die Initiatoren begründeten ihren Schritt mit einer „offensichtlichen Handlungsunfähigkeit und Führungsschwäche“ der aktuellen Stadtregierung.
Die Initiative erhielt mehr als die erforderliche Mehrheit. Sie wurde von neun Stadträten der Partido Popular, einem Vertreter von Nueva Canarias und zwei ehemaligen Mitgliedern der PSOE-Fraktion unterzeichnet. Carmen Luisa Castro, die als neue Bürgermeisterin vorgeschlagen wird, hatte das Amt bereits von 2013 bis 2019 inne.
Misstrauensvotum in Güímar auf Teneriffa
Die Antragsteller warfen der Stadtregierung einen „erheblichen Verfall“ der öffentlichen Dienstleistungen vor, darunter eine „tiefgreifende Krise“ bei der Lokalpolizei. Sie kritisierten einen „institutionellen Stillstand“ durch interne Konflikte, einen „nicht gerechtfertigten“ Anstieg der kommunalen Verschuldung sowie fehlende Planung bei Investitionen, Infrastruktur und Stadtentwicklung.
Zu den schwerwiegendsten Vorwürfen zählt ein Gerichtsurteil, das die Stadtverwaltung verpflichtet, mehr als eine halbe Million Euro an eine Baufirma zu zahlen, weil Bauarbeiten in Las Bajas nicht rechtzeitig gestoppt wurden. Laut den Unterzeichnern habe der Stadtrat für Stadtentwicklung, Airam Puerta (PSOE), vor Gericht eingeräumt, von diesen Mehrkosten gewusst zu haben. Dies bezeichneten sie als „grobe Fahrlässigkeit“.
Kritik an Verwaltung und öffentlichen Aufträgen in Güímar
In Bezug auf ein Abwasserprojekt im Stadtteil Fátima verwiesen die Antragsteller auf laufende Ermittlungen zur Echtheit eines kommunalen Dekrets, zum Missbrauch offizieller Unterschriften und zu möglichen unrechtmäßigen Zahlungen. Sie stuften diese Vorgänge als „außerordentlich schwerwiegend“ ein.
Zudem bemängelten sie, dass mehrere Bauprojekte an der Küste, etwa in Golete, La Puente und Las Bajas, entweder unvollendet blieben oder mit erheblichen Mehrkosten abgeschlossen wurden. Die Antragsteller führten eine wachsende Unsicherheit in der Bevölkerung auf Missmanagement bei der Lokalpolizei zurück, wodurch etwa Veranstaltungen während der Patronatsfeste und der Bajada del Socorro beeinträchtigt wurden.
Abstimmung über neue Bürgermeisterin in zehn Tagen
Die Stadträte kritisierten zudem Verzögerungen bei der Gründung der städtischen Dienstleistungsgesellschaft, was zu finanziellen Einbußen geführt habe. Sie warfen dem Bürgermeister und seinem Team mangelnde Transparenz bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, Vertragsbrüche durch beauftragte Unternehmen und „nicht gerechtfertigte“ Verzögerungen bei Zahlungen an Lieferanten vor.
Nach geltender Rechtslage ist die Stadtratssitzung zur Debatte und Abstimmung über das Misstrauensvotum automatisch für in zehn Werktagen angesetzt.

