Die kanarische Finanzministerin Matilde Asián hat die Einschränkungen durch die geltende Ausgabenregelung kritisiert. Sie betonte, dass diese Vorschrift es der Regionalregierung untersagt, den Haushaltsüberschuss für grundlegende Dienstleistungen oder Steuersenkungen zu verwenden.
Nach Angaben des spanischen Finanzministeriums soll die autonome Gemeinschaft im Jahr 2026 fast 8.195 Millionen Euro aus dem System der autonomen Finanzierungen erhalten. Das wären 295 Millionen Euro mehr als ursprünglich von der Regionalregierung erwartet. Dennoch verpflichtet das staatliche Gesetz zur Haushaltsstabilität die Kanaren dazu, finanzielle Ausgeglichenheit zu wahren. Zusätzliche Einnahmen dürfen deshalb nicht flexibel genutzt werden.
Regelung schränkt Kanaren bei Haushaltsüberschuss ein
„Der aktuelle Rahmen zwingt uns zu einem Überschuss, was unsere Fähigkeit zur Reaktion auf die sozialen Bedürfnisse der Kanarier stark einschränkt“, erklärte Asián. Sie wies darauf hin, dass diese Situation eine paradoxe Lage schaffe: Trotz steigender Einnahmen könne die Gemeinschaft diese nicht vollständig für Bereiche wie Gesundheit, Bildung oder Soziales einsetzen.
Die Ausgabenregel ist Teil des Gesetzes zur Haushaltsstabilität und finanziellen Nachhaltigkeit, das seit 2012 gilt. Sie soll verhindern, dass die öffentlichen Ausgaben schneller steigen als das Wirtschaftswachstum. Jedes Jahr wird ein Limit für das Ausgabenwachstum der öffentlichen Verwaltung festgelegt, das sich am mittelfristigen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts orientiert.
Staatliche Vorgaben verhindern flexiblen Mitteleinsatz
Die Regelung greift auch dann, wenn die Einnahmen steigen, wie derzeit auf den Kanaren. In der Praxis bedeutet das: Die Regionalregierung darf zusätzliche Mittel – selbst bei Überschuss – nicht für Dienstleistungen oder steuerliche Maßnahmen einsetzen, solange die staatlichen Vorgaben nicht geändert werden.
Vertreter der Kanaren kritisieren, dass die Regelung trotz wachsender Bedürfnisse und wirtschaftlicher Herausforderungen, etwa durch steigende Kosten für Grundversorgung und Bevölkerungswachstum, weiterhin gilt. Die Regionalregierung verweist auf ihre verantwortungsvolle Haushaltspolitik, die sich in geringen Abweichungen zwischen Prognosen und den endgültigen Zahlen des Finanzministeriums zeige.
Forderung nach Reform der Ausgabenregel
Asián betonte, dass die Einschränkungen besonders ungerecht seien, da die Kanaren einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen könnten. „Es ergibt keinen Sinn, mehr einzunehmen, wenn wir dieses Geld nicht für eine bessere Lebensqualität der Bürger einsetzen dürfen“, sagte sie.
Die Kanarische Regierung fordert eine dringende Überprüfung der fiskalischen Regeln, damit Regionen mit soliden Finanzen ihren Überschuss für soziale Prioritäten nutzen können. Sie warnt, dass eine fortgesetzte Ausgabenstarre die territoriale Kohäsion schwächen und die Ungleichheiten zwischen den Regionen verschärfen könnte – insbesondere auf den Kanaren, wo Insellage und Entfernung strukturelle Mehrkosten verursachen.
Mit ihrer Kritik schließt sich Asián den Forderungen anderer Regionalregierungen an, das fiskalische Regelwerk an die aktuelle wirtschaftliche Lage und die Besonderheiten der einzelnen Regionen anzupassen.

