Die Regierung der Kanaren hat den neuen mehrjährigen Finanzrahmen der EU für 2028 bis 2034 abgelehnt. Am Montag trafen sich der kanarische Landwirtschaftsminister Narvay Quintero und sein Team auf Teneriffa mit Vertretern des Agrarsektors, der Wirtschaft und dem Parlament der Kanaren. Gemeinsam berieten sie über eine koordinierte Antwort auf die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Änderungen, die nach Ansicht der Teilnehmer einen erheblichen Rückschritt für die Landwirtschaft auf dem Archipel bedeuten würden.
Im Mittelpunkt der Kritik steht die geplante Integration des POSEI-Programms in den nationalen Strategieplan der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Bislang hatte POSEI als eigenständiges Finanzierungsinstrument eine besondere Bedeutung für die Regionen in äußerster Randlage (RUP). Nach den neuen Plänen würde der direkte Kontakt mit der EU-Kommission entfallen und die Verwaltung an den spanischen Staat übergehen. Zudem drohen Kürzungen der Fördermittel. Quintero betonte: „Das ist nicht nur eine Änderung der Vorschriften, sondern ein Paradigmenwechsel, der den Status der Kanaren als RUP direkt betrifft.“ Die Regionalregierung habe ihren Widerstand bereits an die Regierungen Spaniens, Frankreichs und Portugals übermittelt und arbeite an der Einberufung eines Gipfels aller RUP noch in diesem Jahr.
POSEI-Förderung auf den Kanaren in Gefahr
Auch die landwirtschaftlichen Verbände ASAGA und ASPROCAN sprachen sich dafür aus, POSEI aus dem nationalen GAP-Rahmen herauszuhalten. Sie warnten davor, dass die Kanaren sonst zu einer „Wassertropfen im Ozean“ würden und keinen Einfluss mehr auf europäische Entscheidungen im Agrarsektor hätten.
Die Generaldirektion für europäische Angelegenheiten der Kanarenregierung äußerte sich ebenfalls besorgt über die geplanten EU-Reformen. Generaldirektorin Celia Alberto erklärte, dass die neuen Haushaltspläne historische Ausgleichszahlungen für die RUP in Bereichen wie Landwirtschaft, Fischerei, Aquakultur und Transport gefährden könnten.
EU-Finanzrahmen bedroht Sonderstatus der Kanaren
Alberto warnte, dass der Verzicht auf verpflichtende Budgets für die RUP im Rahmen von POSEI, EFRE oder ESF+ die schwächsten Regionen Europas benachteiligen würde. Die geplante Einbindung der RUP-Mittel in nationale Programme ohne direkten Dialog mit der EU-Kommission verstoße gegen das Prinzip der Mehrebenen-Governance und gegen Artikel 349 des Vertrags über die Arbeitsweise der EU.
Die Kanaren unterstützen die Stellungnahmen der Konferenz der Präsidenten der RUP sowie des Netzwerks EURegions4cohesion. Die Regionalregierung fordert direkte Verhandlungen mit Brüssel, um den territorialen Charakter der EU-Politik zu erhalten. Es gehe nicht nur um die Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Betriebe, sondern auch um Ernährungssicherheit, Biodiversität und die Entwicklung des ländlichen Raums auf dem Archipel.
Kanaren fordern Anpassungen im EU-Finanzrahmen
Als nächste Schritte plant die Kanarenregierung eine genaue Analyse der Haushaltsmaßnahmen und sucht nach institutionellen Bündnissen, um die EU-Vorschläge zu verbessern. Ziel ist es, eine europäische Politik mit regionalem Fokus zu sichern und die Besonderheiten der RUP als Gebiete mit spezifischem Förderbedarf anzuerkennen.


