Die Feierlichkeiten im August haben auf den Kanarischen Inseln eine lange Tradition. Am 15. August wird die Himmelfahrt der Jungfrau Maria gefeiert, ein bedeutendes Ereignis im christlichen Kalender. Diese Feier erinnert an den Glauben, dass Maria am Ende ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde. An diesem Tag wird in vielen Städten und Dörfern der Kanaren die Jungfrau Maria verehrt.
Ein besonderes Beispiel ist die zweite Feier der Jungfrau von Candelaria. Sie ist eine der wenigen Heiligen weltweit, die dreimal im Jahr gefeiert wird: am 2. Februar, am 15. August und am 8. September. Diese Tradition hat ihre Wurzeln im 15. Jahrhundert und verbindet christliche und guanchische Glaubensvorstellungen, insbesondere die Verehrung der Chaxiraxi.
Traditionen auf La Gomera
Schon lange bevor die Candelaria auf den Kanaren verehrt wurde, feierten die Ureinwohner die großen Feste des Beñesmer. Diese Feste, die im August stattfanden, waren geprägt von Lichtern, Tänzen und Festessen. Der Begriff Beñesmer bedeutet so viel wie ‚das Ende der Zeit‘ und bezieht sich auf den Monat August. Bereits im 16. Jahrhundert wurde der Begriff in Verbindung mit dem Augustmond verwendet.
Historiker wie Bethencourt Alfonso beschrieben, dass während des Beñesmer auch Versammlungen und Wettbewerbe stattfanden. Álvarez Delgado vermutete, dass der Beñesmer Teil eines Mondkalenders war, der mit dem Sommeranfang begann. Die Guanches feierten im April, Juni und August verschiedene Feste, die mit der Ernte und den Jahreszeiten verbunden waren.
Die Bedeutung der Sterne
Im Jahr 1985 untersuchte A. Cubillo den kanarischen und guanchischen Kalender im Zusammenhang mit den astronomischen Kenntnissen des alten Ägyptens. Er fand heraus, dass das Neujahrsfest auf den Kanaren am 15. August gefeiert wurde, was mit dem Erscheinen des Sterns Canopus zusammenfiel. Canopus spielte eine zentrale Rolle in der Verehrung der Jungfrau von Candelaria und könnte mit der Chaxiraxi gleichgesetzt werden.
Historische Berichte und astronomische Beobachtungen legen nahe, dass die Verehrung von Canopus tief in der Kultur der alten Kanarier verwurzelt war. Diese Verbindung zwischen Sternen und religiösen Praktiken zeigt sich auch in der Platzierung von Kapellen und Kirchen auf den Inseln, die oft mit dem Aufgang von Canopus in Verbindung gebracht werden.
Die alten Kanarier hatten ein tiefes Verständnis für die Natur und ihre Zyklen. Ihre Kalender basierten auf astronomischen Beobachtungen und bestimmten den Rhythmus des Lebens. Der Beñesmer symbolisierte das Ende der Trockenzeit und den Beginn eines neuen landwirtschaftlichen Zyklus, markiert durch das Erscheinen von Canopus am Horizont Mitte August.
Die Synchronisierung von Canopus mit der Sonne war entscheidend für die Festlegung der Festzeiten. Diese Feste waren so bedeutend, dass sie selbst in Kriegszeiten gefeiert wurden. Die Verehrung des Himmels und bestimmter Sterne war für die alten Kanarier von großer Bedeutung und beeinflusste viele ihrer religiösen Praktiken.

