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    Lanzarote Nachrichten 26. Juli 20253 Min. Lesedauer

    Quórum Social 77: Ermittlungen nach Schließung von Zentren für Minderjährige auf Gran Canaria

    Lanzarote Nachrichten PH 5
    Die Küste von Lanzarote. Foto: Archivbild

    Die Organisation Quórum Social 77 hat mehr als ein Drittel aller minderjährigen Migranten auf den Kanarischen Inseln betreut, die unter der Obhut der Regionalregierung stehen. Nach Angaben der Generaldirektion für Kinderschutz der Kanaren verfügte Quórum Social 77 zuletzt über Plätze für 1925 Minderjährige, was etwa einem Drittel der offiziell gezählten 5484 Schutzbefohlenen am 18. Juli entspricht.

    Quórum Social 77 wurde 2009 als gemeinnütziger Verein gegründet und arbeitete seit Jahren mit der Regionalregierung zusammen, etwa in der Betreuung von Kindern mit Behinderung. Mit der Wiederbelebung der Kanarischen Migrationsroute ab Sommer 2019 wurde die Organisation zu einem der wichtigsten Träger für unbegleitete minderjährige Migranten auf den Inseln. Insbesondere 2023 und 2024 zwang die anhaltende Ankunft von Booten die Behörden dazu, neue Unterkünfte oft innerhalb eines Tages zu eröffnen.

    Quórum Social 77 betreibt zahlreiche Zentren auf Gran Canaria und Teneriffa

    Laut dem staatlichen Vergabeportal erhielt Quórum Social 77 im Jahr 2024 den Zuschlag für den Betrieb von elf neuen Zentren auf Gran Canaria und Teneriffa. Das Volumen lag bei 6,97 Millionen Euro. Die Summe bezieht sich auf die Einrichtungen in Firgas, Fortaleza V, Salinetas, Teror, Mujica, San Nicolás, Hoya Fría II, Corvo I, San Juan IV, Tirajana I und Tacoronte VI. Die tatsächlichen Umsätze könnten jedoch noch höher ausfallen.

    Mehrere Ausschreibungen sehen Tagessätze zwischen 90 und 94 Euro pro Kind vor. Bei voller Auslastung aller 1925 Plätze ergibt sich eine potenzielle Tagesabrechnung von mehr als 173.000 Euro, was monatlich über fünf Millionen Euro entspricht.

    Ermittlungen nach Vorwürfen gegen Mitarbeiter von Quórum Social 77

    Zwei Direktoren der Organisation wurden am Donnerstag von der Polizei festgenommen und später unter Auflagen freigelassen. Das Ermittlungsverfahren wird vom auf Gewalt gegen Kinder und Jugendliche spezialisierten Gericht in Las Palmas geführt. Die Ermittlungen gehen auf Anzeigen der Generaldirektion für Kinderschutz zurück, die im Mai Beschwerden mehrerer Jugendlicher aus dem Zentrum La Fortaleza I an die Staatsanwaltschaft weiterleitete. Die Jugendlichen berichteten von Misshandlungen, Bedrohungen und rassistischen Beleidigungen.

    Zum Zeitpunkt der Anzeigen lebten 45 Jugendliche aus Nordafrika und Subsahara-Afrika, alle über 16 Jahre alt, in dem betroffenen Zentrum. Sie wurden nach Bekanntwerden der Vorwürfe umgesiedelt. Das Oberste Gericht der Kanaren ordnete daraufhin die Schließung des Zentrums an. Als Gründe wurden zahlreiche Hinweise und Zeugenaussagen zu mutmaßlichen Straftaten wie Körperverletzung, Hass, Pflichtverletzung, Straftaten gegen die moralische Integrität und Bedrohungen genannt.

    Weitere Einrichtungen auf Gran Canaria betroffen

    Neun Mitarbeiter von Quórum Social 77 wurden bei einer Durchsuchung des Zentrums in Santa Brígida festgenommen. Am Donnerstag ließ der zuständige Richter zwei weitere von der Organisation betriebene Einrichtungen durchsuchen: ein Zentrum in Arinaga mit 148 Jugendlichen und eines in Firgas für jüngere Kinder. Das Zentrum in Arinaga wurde geschlossen, die Jugendlichen auf 21 andere Unterkünfte auf Gran Canaria verteilt. Die Gründe für die Schließung wurden nicht veröffentlicht, laut Sozialministerium handelt es sich jedoch um ähnliche Vorwürfe wie im Fall La Fortaleza I.

    Die Entwicklungen erfolgen vor dem Hintergrund einer Überlastung der Aufnahmekapazitäten auf den Kanaren. Die Zahl der betreuten Minderjährigen hat zeitweise die Marke von 6000 erreicht. Die Regionalregierung betont, dass dies die Möglichkeiten zur angemessenen Betreuung, Überwachung und Kontrolle der Einrichtungen übersteige. Der Präsident der Kanaren, Fernando Clavijo, äußerte sich entsprechend. Der spanische Minister für territoriale Politik, Ángel Víctor Torres, kritisierte am Freitag, dass Überlastung keine Rechtfertigung für Straftaten an Schutzbefohlenen sein könne.

    Nur ein Teil der Plätze von Quórum Social 77 betroffen

    Die in der aktuellen Operation geschlossenen Plätze machen nur einen kleinen Teil der Gesamtkapazität von Quórum Social 77 aus – etwa 200 von insgesamt 1925 Plätzen. Für die übrigen Einrichtungen liegen derzeit keine Hinweise auf strafrechtlich relevante Unregelmäßigkeiten vor.

     

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