Urlauber auf Gran Canaria sollten sich vorsehen! Bereits vor Monaten warnte das Europäische Verbraucherzentrum vor einer Abzockmasche auf der spanischen Ferieninsel. Da immer noch Touristen Opfer dieser dubiosen Verkaufsmasche werden, möchten wir erneut auf den Rat des EVZ hinweisen.

Wer kennt das nicht? Da ist man kaum am Urlaubsziel angekommen, schlendert gemütlich durch Maspalomas, Playa del Ingles oder Puerto de Mogán und wird plötzlich von einer freundlichen jungen Frau (jungen Mann) angesprochen, die einem ein Los schenken. Sie nehmen das Los und siehe da; Herzlichen Glückwunsch, Sie haben einen Urlaub auf Gran Canaria gewonnen!

Bloß nicht mitgehen – trotz vermeintlichem Gewinn

Den angeblichen Gewinn müssen Sie dann in der Geschäftsstelle des Veranstalters abholen. Um sich den Preis zu sichern, werden die vermeintlichen Gewinner des Hauptgewinns sofort in ein Taxi gesetzt und in ein etwas weiter abgelegenes Hotel gebracht.

Verkaufsveranstaltung statt Gewinnvergabe

Vom Gewinn ist dann jedoch keine Rede mehr. Stattdessen sollen die angeblichen Gewinner in einer Verkaufsveranstaltung Verträge für ein zweiwöchiges Ferienwohnrecht in einer luxuriösen Anlage abschließen. Argumentiert wird oft sehr gern damit, dass auch Prominente in diesem schicken Resort absteigen. Wenn Sie jetzt nicht aufpassen und vielleicht noch ein wenig interessiert wirken, wird Ihnen sofort ein Vertrag vorgelegt. Wer dann unterschrieben hat, soll auch gleich eine größere Anzahlung leisten. Dazu werden die Urlauber sogar zum Geldautomaten begleitet. Allerspätestens jetzt sollten bei Ihnen die Alarmglocken läuten, denn ein Anbieter, der seine Kunden dermaßen unter Druck setzt, kann nicht seriös sein.

Sabine Blanke
Aktuell werden wieder zahlreiche Urlauber Opfer dieser Geschäftspraktiken. Sabine Blanke, Juristin des Europäischen Verbraucherzentrums Deutschlands, gibt Tipps.
Guter Rat
Frau Blanke, was raten Sie Urlaubern, die sich mit dem Gedanken tragen, einen Vertrag für Urlaubszertifikate abzuschließen?

  • So verlockend der Losgewinn erscheint: Halten Sie sich von der Infoveranstaltung fern. Denn ist man erst einmal dort, wird es schwierig, sich den aggressiven Verkaufspraktiken zu entziehen.
  • Unterschreiben Sie nichts. Ist der Vertrag unterschrieben, wird es schwer, diesen wieder zu lösen. Dadurch, dass die Laufzeit meist unter einem Jahr liegt, wird der Schutz der Europäischen Timesharing Richtlinie ausgehebelt: Verbraucher können nicht widerrufen und den Unternehmern ist es nicht verboten, sofort eine Anzahlung zu verlangen. Allerdings gelten derartige Verträge nach spanischem Recht als betrügerisch.
  • Manche Anbieter erlauben Ihnen zwar, innerhalb einer bestimmten Frist zu kündigen, verlangen dann aber mehr als 80 % des bezahlten Geldes als Schadenersatz.
  • Leisten Sie keine Anzahlung. Nicht per Kreditkarte. Nicht per EC-Karte. Und schon gar nicht in bar. Vor allem bei Barzahlung wird es schwierig, das Geld zurück zu erhalten.
  • Überlegen Sie gut, ob Sie sich jetzt schon langfristig an einen Ferienort und eine Anlage binden möchten. Was ist zum Beispiel, wenn Sie zu diesem Zeitpunkt keinen Urlaub bekommen, krank werden oder doch woanders hinreisen möchten? Dann ist, je nach Vertrag, alles, was sie bislang bezahlt haben, verloren.
  • Bedenken Sie, dass viele Verträge „begrenzte Verfügbarkeiten“ beinhalten, obwohl Ihnen etwas anderes erzählt wurde. Das bedeutet im schlimmsten Fall, dass Sie das gebuchte Appartement zur gewünschten Zeit nicht nutzen können.
  • Bedenken Sie auch, dass Urlaubszertifikate keinen Schutz vor Reisemängeln bieten. Anders als bei Pauschalreisen sind lärmende Zimmernachbarn oder Baustaub der Nachbaranlage allein Ihr Risiko.
  • Rechnen Sie nach, ob der Preis vorteilhaft ist. Kalkulieren Sie Flug, Transfer sowie die Verpflegung vor Ort mit ein.
  • Schalten Sie die Polizei ein, wenn Sie während oder nach den Vertragsverhandlungen in irgendeiner Form bedrängt, unter Druck gesetzt oder mit Anrufen belästigt werden.

Zu spät?
Frau Blanke, was tun, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist und Sie ein Urlaubszertifikat gekauft haben?

  • Gehen Sie so schnell wie möglich zur Bank und verlangen Sie die Rückbuchung des Geldes. Bei Kreditkarten können Sie bis zu vier Wochen nach Erhalt des Kontoauszugs die Zahlung reklamieren. Eine Sperrung der Kreditkarte allein reicht nicht aus.
  • Teilen Sie dem Unternehmen schriftlich (per Einschreiben und per Mail) mit, dass Sie wegen der Art der Vertragsanbahnung nicht an den Vertrag gebunden sind, und kündigen Sie ihn vorsorglich.

Wenn Sie Rat und Hilfe brauchen, wenden Sie sich ans Europäische Verbraucherzentrum Deutschland. Das EVZ unterstützt Verbraucher kostenlos bei grenzüberschreitenden Problemen. (www.evz.de / [email protected])

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