Rund 250 Menschen haben am Sonntag in Las Palmas de Gran Canaria gegen eine aus ihrer Sicht unzureichende Kontrolle der sogenannten „illegalen Einwanderung“ demonstriert, die sie mit einem Anstieg der Kriminalität auf der Insel und im gesamten Archipel in Verbindung bringen. Die Polizei bestätigte die Teilnehmerzahl der Kundgebung, die auf der Plaza de Manuel Becerra im Stadtteil La Isleta stattfand. Dort war in der Nacht zum 16. Juni eine 17-Jährige schwer verbrannt worden. Als mutmaßlicher Täter wurde ein 20-jähriger Marokkaner festgenommen, der vor etwa eineinhalb Monaten per Boot nach Lanzarote gekommen war.
Die Demonstration verlief nach Angaben der Behörden mehr als eine Stunde lang friedlich. Lediglich ein Mann, der den Teilnehmern „Rassisten“ zurief, wurde von der Polizei abgeführt.
Protest gegen Einwanderungskontrolle auf Gran Canaria
Vox-Abgeordneter Alberto Rodríguez betonte gegenüber Journalisten, seine Partei habe die Kundgebung nicht organisiert. Er sei anwesend, um seine Unterstützung für die Anwohner von La Isleta zu zeigen. Bereits am Montag nach dem Angriff auf die 17-Jährige hatte er vor dem Aufnahmezentrum Canarias 50 demonstriert, das sich ebenfalls in La Isleta befindet.
Rodríguez kritisierte die aus seiner Sicht „offenen Migrationspolitiken“ von PP, PSOE und der Coalición Canaria in der Regionalregierung. Diese hätten Konsequenzen, die die Bürger zu tragen hätten. Er verwies auf die Kosten von 145 Euro pro Tag für jeden unbegleiteten minderjährigen Migranten, die aus Steuermitteln finanziert würden.
Vox fordert Rückführung unbegleiteter Minderjähriger
Der Vox-Abgeordnete sprach sich dagegen aus, Menschen zu unterstützen, die „unsere Grenzen verletzen und nicht mit den spanischen Behörden kooperieren“. Seine Partei fordere, unbegleitete Minderjährige zu ihren Eltern zurückzuführen. Sollte dies nicht möglich sein, solle laut Artikel 35.1 des Ausländergesetzes eine Rückführung erfolgen, damit die Herkunftsländer die Verantwortung übernehmen.
Vox sieht in der Rückführung von Migranten und Straftätern einen Weg, das „Geschäft der Schleuserbanden“ zu beenden. Wer sich nicht integriere oder versuche, seine Kultur aufzuzwingen, solle ebenfalls zurückgeführt werden, so Rodríguez.
Kundgebung in La Isleta von Aktivist aus Teneriffa organisiert
Der bekannte Aktivist und Influencer Rudy Ruyman aus Teneriffa hatte die Demonstration initiiert. Er erklärte, die Kundgebung solle die Anwohner von La Isleta unterstützen. Ruyman sagte, Vorfälle wie der Angriff auf die 17-Jährige, die unter staatlicher Obhut stand, seien auf mangelnde Kontrolle bei irregulärer Migration zurückzuführen.
Die Demonstranten riefen Parolen wie „Das ist unser Land, wir müssen es verteidigen“ und „Kanaren werden nicht verkauft, sie werden verteidigt“. Sie bekundeten Solidarität mit der verletzten Jugendlichen, die weiterhin in der Spezialklinik in Sevilla behandelt wird und sich auf dem Weg der Besserung befindet. Zudem wurden Beleidigungen gegen Regierungschef Pedro Sánchez laut.
Kritik und rechtliche Lage nach Angriff in La Isleta
Podemos, IU und die Gewerkschaft CCOO hatten die Delegation der Zentralregierung auf den Kanaren aufgefordert, die Kundgebung nicht zu genehmigen, da sie ihrer Ansicht nach zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit aufrufe.
Der festgenommene 20-Jährige befindet sich in Untersuchungshaft. Laut dem zuständigen Richter Tomás Martín besteht Fluchtgefahr. Zudem gibt es laut Gericht Zweifel am Tathergang und Misstrauen gegenüber einem möglicherweise entscheidenden Zeugen.






