Der Gemeinderat von Tías hat eine umfassende Reform der Grundsteuer (I.B.I.) beschlossen, um die neue Wohnraumgesetzgebung der spanischen Regierung unter Pedro Sánchez umzusetzen. Mit der Änderung will die Kommune erreichen, dass Bewohner mit selbstgenutztem Wohnraum und große Immobilienbesitzer mit touristischer Nutzung künftig unterschiedlich besteuert werden.
Bisher galt in Tías und den angrenzenden Ortschaften wie La Tiñosa, La Asomada, Conil, Masdache, Mácher oder Tegoyo ein einheitlicher Steuersatz für alle Immobilien – unabhängig davon, ob es sich um ein Wohnhaus oder ein großes Hotel an der Strandpromenade handelte. Nach Angaben der Vereinigung der Tourismusgemeinden der Kanaren (AMTC) wurden im vergangenen Jahr in Tías 7.036.098 Übernachtungen gezählt. Insgesamt besuchten 1.036.098 Menschen die Gemeinde. Der Flughafen César Manrique Lanzarote verzeichnet jährlich mehr als 5 Millionen Touristen. Die Zahl der Einwohner und Steuerzahler in Tías liegt dagegen bei lediglich 21.462.
Grundsteuerreform auf Lanzarote: Tías setzt auf neue I.B.I.-Regeln
Die Gemeinde betont, dass es wirtschaftlich nicht tragbar sei, wenn die hohen Kosten für touristische Infrastruktur, öffentliche Ausgaben sowie die Belastungen für Stadtbild und Umwelt allein von den Einheimischen getragen werden. Die neuen Regelungen sollen eine gerechtere und progressivere Finanzierung der öffentlichen Dienstleistungen ermöglichen.
Die Reform der Grundsteuer wird als eine Art Tourismusabgabe betrachtet, die im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten eingeführt wird. Die Gemeinde wartet weiterhin darauf, dass die Regierung der Kanaren oder der Inselrat von Lanzarote und La Graciosa ähnliche Maßnahmen ergreifen.
Sozialer Ausgleich und Förderung nachhaltigen Tourismus in Tías
Nach Ansicht des Gemeinderats werden die bestehenden gesetzlichen Grundlagen den besonderen Anforderungen von Tourismusgemeinden nicht gerecht, da sie die hohe Zahl an Besuchern und die damit verbundenen Belastungen nicht berücksichtigen. Während Großstädte Sonderregelungen erhalten, gilt für Tías weiterhin das allgemeine Gesetz über kommunale Haushalte.
Der erhöhte Steuersatz für große touristische Immobilien soll die Gemeinde für die sozialen und ökologischen Kosten der Branche entschädigen. Die Einnahmen fließen in Sozialhilfen, Mietzuschüsse für sozial benachteiligte Einwohner – viele davon arbeiten selbst im Tourismussektor – sowie Maßnahmen gegen prekäre Arbeitsbedingungen und Umweltbelastungen.
Neue Steuervergünstigungen für sozialen Wohnungsbau
Die Gemeinde investiert zudem gezielt in die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismussektors und setzt auf nachhaltigen, verantwortungsvollen und hochwertigen Tourismus. Eine weitere Neuerung ist eine Steuerermäßigung von 95 Prozent auf die Grundsteuer für Wohnimmobilien, die zu sozial gebundenen Mieten vermietet werden. Das betrifft etwa Wohnungen in angespannten Märkten oder neue private Sozialwohnungen.
Tías ist damit die erste Gemeinde auf Lanzarote, die ihre Steuergesetze an das neue Wohnraumgesetz anpasst. Die Sozialbehörde der Gemeinde hatte zuvor Maßnahmen zur Verbesserung der Wohnsituation empfohlen. Bereits in der Vergangenheit hatte Tías beim kanarischen Regionalparlament beantragt, als angespanntes Wohngebiet eingestuft zu werden. Bisher blieb eine Reaktion der Regionalregierung jedoch aus.
Tías fordert aktives Handeln von der Regionalregierung
Angesichts der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt und der bestehenden Wohnungsnot kritisiert die Gemeinde die Untätigkeit der kanarischen Regionalregierung sowie des Inselrats von Lanzarote und La Graciosa, die von der Coalición Canaria und der Partido Popular geführt werden. Die Gemeindeverwaltung von Tías sieht sich als Vorreiter und betont, dass sie bereits aktiv geworden ist.
Tomás Silvera Cabrera
Stadtrat für Finanzen der Gemeinde Tías






