Spanische Jugendliche haben ihren Alkoholkonsum in den vergangenen Jahren reduziert. Gleichzeitig verzeichneten Experten einen Anstieg anderer Suchtverhalten wie den Konsum von Cannabis und die Nutzung digitaler Medien. Fachleute warnen insbesondere im Sommer vor erhöhtem Risiko, da mehr Freizeit und weniger strukturierte Aktivitäten riskante Konsummuster oder Rückfälle begünstigen könnten, wie Projekt Hombre Madrid berichtete.
Aktuelle Studien belegten einen Wandel der Konsumgewohnheiten. Nach dem Edades-Bericht 2024 des spanischen Gesundheitsministeriums sank der Anteil der 15- bis 34-Jährigen, die in den vergangenen 30 Tagen Alkohol getrunken hatten, von 64,4 Prozent im Jahr 2013 auf 63,5 Prozent im Jahr 2024. Gleichzeitig stieg der Anteil der Jugendlichen dieser Altersgruppe, die jemals Cannabis probiert hatten, von 40,2 Prozent auf 47,7 Prozent. Bei den 14- bis 18-Jährigen zeigte der Estudes-Bericht 2023, dass das Ausmaß von Rauschtrinken von 60,7 Prozent im Jahr 2012 auf 20,8 Prozent zurückging. Dennoch blieb laut Gesundheitsministerium die Prävention des Alkoholkonsums zentral, da der Erstkontakt im Schnitt mit 16,4 Jahren erfolgte.
Konsumverhalten und Suchttrends bei Jugendlichen in Spanien
Neue Risikoverhalten wie das Dampfen gewinnen an Bedeutung. Ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Universität Glasgow zeigt, dass das Dampfen unter Jugendlichen inzwischen häufiger ist als das Rauchen. Parallel dazu wächst die Sorge um die exzessive Nutzung von Bildschirmen, Smartphones und sozialen Netzwerken. Eine Studie des Fachjournals JAMA bringt süchtiges Nutzungsverhalten in Verbindung mit psychischen Problemen und möglichen Suizidhandlungen. Laut einer aktuellen WHO-Studie (Health Behavior in School-aged Children, HBSC) erleben mindestens elf Prozent der Minderjährigen erhebliche Einschränkungen durch digitale Geräte. 32 Prozent gelten als gefährdet, problematische Nutzungsgrenzen zu überschreiten.
Der Suchtmediziner Jose Luis Rabadán erklärte, dass Drogen heute häufig zur sozialen Integration und als Teil der Freizeitgestaltung konsumiert werden. Daher nahmen Substanzen wie Speed, Kokain oder Marihuana in Freizeitumgebungen zu. Auch der Direktor des Instituts für Psychiatrie und psychische Gesundheit am Krankenhaus Gregorio Marañón, Celso Arango, sah einen Zusammenhang zwischen Drogenkonsum und psychischen Problemen: „Es gibt eine klare Beziehung.“ Die Psychiaterin Lucía Gallego betonte zudem, dass exzessive Bildschirmzeit andere wichtige Aktivitäten wie Sport, Spielen, Familienleben oder Naturerfahrungen verdränge. „Jede Stunde vor dem Bildschirm ist Zeit, die nicht in reale Beziehungen investiert wird.“
Präventionsmaßnahmen und gesellschaftliche Initiativen
Vertreter der Spirituosenbranche fordern weiterhin Nulltoleranz beim Alkoholkonsum Minderjähriger. Bosco Torremocha, Geschäftsführer von Espirituosos España, unterstrich: „Das gemeinsame Ziel ist klar: Nullkonsum bei Minderjährigen. Dafür arbeiten wir seit 25 Jahren aktiv an Prävention und haben mehr als 30 Millionen Euro in soziale Verantwortung investiert.“ Initiativen wie „Menores ni una Gota“ und Kooperationen mit Kommunen, Polizei und Jugendverbänden hätten maßgeblich zum Trendwechsel beigetragen. Torremocha betonte jedoch, dass weiterhin gemeinsame Anstrengungen notwendig seien, um die Prävention zu stärken.
Auch im Bereich der Bildschirmprävention gibt es zahlreiche Projekte. Die Initiative „Pantallas Amigas“ wird von der Branchenorganisation DigitalES unterstützt und fördert Bildungsangebote für einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien. Die Organisation setzt sich für einen ganzheitlichen Präventionsansatz ein, der klare Regeln, Aufsicht, Kommunikation, Aufklärung über Online-Sicherheit, technische Schutzmaßnahmen, Gesundheitsförderung und einen bewussten Umgang mit digitalen Technologien umfasst.

