Der kanarische Agrarminister Narvay Quintero hat auf dem ersten Treffen der Produzenten alter Kartoffelsorten konkrete Maßnahmen zur Stärkung der lokalen Landwirtschaft angekündigt. Im Rahmen der Veranstaltung in der Casa de la Cultura in El Rosario auf Teneriffa diskutierten am Donnerstag mehr als ein Dutzend Fachleute, Techniker und Vertreter öffentlicher Institutionen über Strategien zur Förderung der Produktion und Vermarktung traditioneller Kartoffelvarianten.
Das Treffen wurde vom Institut für kanarische Lebensmittelqualität (ICCA) gemeinsam mit der Gemeinde El Rosario organisiert. Ziel war es, die lokalen Sorten, die unter der geschützten Ursprungsbezeichnung (DOP) „Papas Antiguas de Canarias“ stehen, stärker in den Fokus zu rücken und deren wirtschaftliche Rentabilität zu verbessern.
Kartoffelanbau auf Teneriffa im Fokus
Zu den Teilnehmern zählten neben Minister Quintero auch der Bürgermeister von El Rosario, Escolástico Gil, sowie der ICCA-Direktor Luis Arráez Guadalupe. Quintero kündigte zu Beginn die kurzfristige Einberufung des „Mesa de la Papa Canaria“ an, um weitere Unterstützungsmaßnahmen für Landwirte zu beraten. Er betonte die Bedeutung der alten Kartoffelsorten als identitätsstiftendes Kulturgut und als prägendes Element der Agrarlandschaft auf dem Archipel.
Der Minister verwies auf eine außerordentliche Beihilfe von 1,5 Millionen Euro, die in diesem Jahr an rund 760 Produzenten ausgezahlt wird, um die Folgen der Dürre abzufedern. Bereits im Vorjahr lag die Unterstützung bei 1,43 Millionen Euro. Zudem erfolgte die Auszahlung von EU-Hilfen aus dem POSEI-Programm für Fläche und Vermarktung in den vergangenen zwei Jahren jeweils vorgezogen im Juni.
Wertschöpfung und Schutz lokaler Sorten
Quintero hob zudem Werbekampagnen und weitere Maßnahmen zur Absatzförderung hervor. Die kanarische Regierung forderte vom spanischen Staat verstärkte Kontrollen bei Importkartoffeln aus Ägypten, um die Einschleppung von Krankheiten zu verhindern und die lokale Produktion zu schützen.
Bürgermeister Gil betonte die Bedeutung der Landwirtschaft für die mittleren Höhenlagen von El Rosario. Er erklärte, dass „La Esperanza der ideale Ort für das erste Treffen der alten Kartoffelsorten der Kanaren“ sei. Gil forderte mehr Unterstützung für Landwirte, damit sie ihre Produkte vermarkten können und nicht auf Importe angewiesen sind, bei denen teils verbotene Mittel verwendet werden.
Vielfalt und Tradition im Kartoffelanbau
Der Professor für Pflanzenproduktion an der Universität La Laguna, Domingo José Ríos Mesa, erläuterte die Besonderheiten der Kartoffelanbausysteme auf Teneriffa. Während weiße Kartoffeln in weiten Teilen der Insel gedeihen, sind bunte Sorten auf spezielle Gebiete mit bestimmten ökologischen Bedingungen beschränkt.
Vertreter der „Asociación La Papa Bonita“ aus Icod el Alto stellten ihre Arbeit zur Erhaltung traditioneller Sorten vor, die seit mehr als 400 Jahren auf den Kanaren kultiviert werden. Sie beschrieben traditionelle Anbaumethoden und die Anforderungen für das DOP-Siegel „Papas Antiguas de Canarias“.
Herausforderungen und Perspektiven für den Sektor
Manuel Reyes, Präsident der landwirtschaftlichen Genossenschaft Las Medianías, schilderte die Entwicklung des Sektors in den vergangenen Jahrzehnten. Er forderte eine stärkere Zusammenarbeit der Produzenten, um Herausforderungen wie Dürre, steigende Temperaturen, fehlenden Nachwuchs, unlauteren Wettbewerb und Schädlingsbekämpfung zu meistern.
In einer anschließenden Podiumsdiskussion tauschten sich Fachleute, Techniker und Behördenvertreter über neue Fördermöglichkeiten und die Wertschöpfung der Produkte im Handel aus.
Am Nachmittag folgte eine Ausstellung alter kanarischer Kartoffelsorten, organisiert vom ICCA und der Asociación La Papa Bonita. Die Theatergruppe Medio Almud präsentierte zudem das Stück „Tuberosum“, das die Bedeutung traditioneller Kultur im Kontext von Klimawandel und Biodiversitätsverlust thematisierte.
Zum Abschluss veranstaltete die Asociación La Papa Bonita eine kulinarische Demonstration unter dem Titel „Sabores con Historia“. Dabei wurden die sensorischen Eigenschaften und Besonderheiten der alten Kartoffelsorten vorgestellt und verschiedene Kombinationen präsentiert.
Kartoffelanbau auf den Kanaren: Bedeutung und Vielfalt
Kartoffeln spielen auf den Kanarischen Inseln eine zentrale Rolle für Ernährung, Wirtschaft, Kultur und nachhaltige Landwirtschaft. Nach offiziellen Angaben wurden 2023 auf dem Archipel 3355 Hektar Kartoffeln angebaut, mit einer Gesamtproduktion von 78.304 Tonnen.
Der vulkanische Boden der Inseln, arm an organischer Substanz, aber reich an Mineralien, verleiht den kanarischen Kartoffeln einzigartige Eigenschaften und eine unverwechselbare Morphologie.
Die DOP „Papas Antiguas de Canarias“ umfasst 29 Sorten, die als alt, lokal, traditionell oder farbig gelten und aus Samen von Solanum tuberosum subsp. andígena, Solanum tuberosum subsp. tuberosum und Solanum chaucha stammen. Diese Sorten wurden vor dem 20. Jahrhundert auf die Kanaren eingeführt und werden bis heute kultiviert.






