Die Regierung der Kanarischen Inseln hat am Dienstag ein neues Dekret zur Bewertung und Feststellung des Grades einer Behinderung beschlossen. Das Gesetz tritt nach der Veröffentlichung im Boletín Oficial de Canarias und der Bestätigung im kanarischen Parlament in Kraft.
Das Dekret enthält erstmals einen Anhang mit einer Liste von Krankheitsbildern, die automatisch einen Behinderungsgrad von 33, 65 oder 75 Prozent begründen. Betroffene erhalten nach Antragstellung und Vorlage eines Nachweises über eine gelistete Erkrankung eine Bewertung per Bericht. Eine persönliche Begutachtung ist nicht mehr erforderlich.
Neues Verfahren zur Feststellung von Behinderungen auf den Kanaren
Die Verordnung erweitert zudem die bisherige Priorisierung für Kinder mit Behinderung von bisher bis sechs Jahre auf nunmehr bis 18 Jahre. Damit berücksichtigt das Verfahren neben medizinischen auch schwerwiegende soziale Faktoren. Ziel ist es, Jugendlichen einen besseren Zugang zu Förderungen wie Stipendien oder Erleichterungen beim Eintritt in weiterführende Bildungseinrichtungen zu ermöglichen.
Eine weitere Neuerung ist die automatische Ausstellung von Parkausweisen für Menschen mit Behinderung nach Abschluss des Verfahrens. Damit entfallen zusätzliche Behördengänge für die Betroffenen.
Automatische Parkausweise und bessere Koordination mit Sozialbehörden
Die Zusammenarbeit mit der Generaldirektion für Soziale Dienste wird ausgebaut, um die Vergabe nicht beitragspflichtiger Renten zu erleichtern. Erstmals erfolgt zudem eine enge Abstimmung zwischen der Generaldirektion für Behinderung und dem kanarischen Gesundheitsdienst. Dessen Fachkräfte unterstützen künftig die Erstellung von Gutachten, um die Wartezeiten zu verkürzen.
Auch die Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium und den Berufsverbänden der Kanaren wird gestärkt. So sollen spezifische Fachkräfte die Gutachten für minderjährige Antragsteller ergänzen.
Vereinfachte Verfahren für Menschen mit Behinderung auf den Kanaren
Das von der Abteilung für Soziales, Gleichstellung, Jugend, Kinder und Familien initiierte Dekret orientiert sich an den Vorgaben der staatlichen Regelung RD 888/2022. Die im Anhang gelisteten Krankheitsbilder wurden mit dem nationalen BAREDI-System abgeglichen, das medizinische, psychosoziale und Umweltaspekte zur Bewertung heranzieht.
Das neue Gesetz ist in vier Titel gegliedert. Es regelt Anwendungsbereich, Zuständigkeiten, Bewertungsverfahren, Überprüfungen sowie zusätzliche und abschließende Bestimmungen. Ziel ist es, die Anerkennung einer Behinderung effizienter zu gestalten, die Bearbeitungszeiten zu verkürzen und den Verwaltungsaufwand für die Bürgerinnen und Bürger zu reduzieren. Die multiprofessionellen Teams sollen so die Verfahren schneller und mit weniger Ressourcen durchführen können.
Die Regierung begründet das spezielle Dekret mit den Besonderheiten des fragmentierten Inselterritoriums. Es soll eine gleichwertige Behandlung aller Antragsteller auf den einzelnen Inseln sicherstellen und Benachteiligungen kleinerer Inseln gegenüber den Hauptinseln vermeiden.











