Die Handelskammer von Santa Cruz de Tenerife und Cajasiete haben heute die Ergebnisse des Handelsberichts für das zweite Quartal 2025 vorgestellt. Der Bericht zeigt, dass die Einzelhandelsumsätze auf den Kanaren im zweiten Quartal um 4,5 Prozent gestiegen sind und auch die Beschäftigung um zwei Prozent zulegen konnte, während die Zahl der Unternehmen weiter sank. Die Präsentation übernahmen Lola Pérez, Generaldirektorin der Kammer, und Luis Alberto Díaz, Generaldirektor von Cajasiete.
Lola Pérez führte den Rückgang der Einzelhandelsunternehmen, der bereits vor der Pandemie begann, vor allem auf den zunehmenden Online-Handel zurück. Besonders die steuerliche Begünstigung für Importe mit geringem Warenwert habe sich laut Pérez zu einem Einfallstor für importierte Produkte entwickelt, insbesondere aus Asien, die unter ungleichen Bedingungen mit dem lokalen Handel konkurrieren. Hinzu kämen der fehlende Generationswechsel in Familienbetrieben sowie die kontinuierlich steigenden Strukturkosten durch die Insellage, etwa bei Transport, Strom, Mieten und Löhnen, sowie eine zunehmende administrative Komplexität.
Einzelhandel auf den Kanaren: Herausforderungen und Forderungen
Pérez forderte ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Sicherung des Sektors und appellierte an die Bevölkerung, die Bedeutung des Einzelhandels zu erkennen. „Es geht nicht nur um Wirtschaft. Unser lokaler Handel steht für sozialen Zusammenhalt, Identität und Nähe. Sein Verschwinden zerstört Arbeitsplätze und schwächt unsere Städte und Viertel“, betonte sie. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählt vor allem eine rasche Überprüfung der steuerlichen Begünstigung für Importe mit geringem Wert, die laut Pérez zwar auf dem Tisch der Regionalregierung liege, aber noch nicht entschieden sei.
Weitere wichtige Ansätze sieht die Handelskammer in der Förderung der Digitalisierung kleiner und mittlerer Unternehmen, der beruflichen Qualifizierung sowie in der Senkung der Lohnkosten durch Boni und Anreize. Pérez lobte die jüngst eingeführte Nulltarif-Regelung für neue Selbstständige auf den Kanaren als Schritt in die richtige Richtung, betonte aber, dass es einer umfassenden Strategie bedürfe, um die Zukunft des lokalen Handels zu sichern.
Wirtschaftsdaten: Entwicklung des Einzelhandels auf den Kanaren
Der Generaldirektor von Cajasiete, Luis Alberto Díaz, bekräftigte, dass die Unterstützung des Einzelhandels Teil der Lösung für die wirtschaftlichen Herausforderungen sei. Die kanarische Wirtschaft wachse seit längerer Zeit über dem nationalen Durchschnitt, getragen vom Binnenkonsum, dem Tourismus und der Dynamik des Einzelhandels. Díaz erklärte, dass die Kreditvergabe von Cajasiete in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen sei, im laufenden Jahr um rund sieben Prozent, vor allem durch Immobilienkäufe von Privatpersonen. Bei Unternehmen sei das Kreditwachstum zwar weiterhin positiv, aber das Tempo habe sich leicht verlangsamt, was auf die anhaltende Unsicherheit unter Unternehmern hindeute.
Im Juni 2025 gab es auf den Kanaren 13.399 Handelsunternehmen mit sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, 203 weniger als ein Jahr zuvor. Der Einzelhandel verzeichnete mit 158 Betrieben den größten Rückgang, während der Großhandel und der Kfz-Handel mit acht beziehungsweise 37 Unternehmen weniger betroffen waren. Trotz dieser Entwicklung schloss das zweite Quartal mit einem deutlichen Umsatzplus: Der Einzelhandelsindex stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,5 Prozent, im Juni sogar um 6,9 Prozent. Im ersten Halbjahr lag das Plus bei 3,7 Prozent und entsprach damit dem nationalen Durchschnitt.
Beschäftigung und Ausblick im Einzelhandel auf den Kanaren
Auch die Beschäftigungsindikatoren entwickelten sich positiv. Der Beschäftigungsindex des Einzelhandels, erhoben vom INE, wuchs um zwei Prozent und lag damit vier Zehntel über dem Landesdurchschnitt. Die Kanaren belegten damit im ersten Halbjahr den dritten Platz hinter den Balearen und Navarra. Die durchschnittliche Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Sektor stieg im Jahresvergleich um 1,6 Prozent auf 166.270. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen im Handel sank um 6,1 Prozent auf 24.907 Personen, das waren 1.759 weniger als im Vorjahr.
Der Geschäftsklimaindex für den Handel fiel zwar landesweit um 1,8 Prozent, doch auf den Kanaren bleiben die Erwartungen für den Sommer überwiegend positiv. 27 Prozent der Unternehmen rechnen mit besseren Ergebnissen, 58 Prozent erwarten stabile Umsätze und nur 16 Prozent zeigen sich pessimistisch.







